Ihr Lieben, es tut mir wirklich Leid,
dass ich mich solange nicht gemeldet habe, aber in den letzten Wochen
hatte ich so einiges hier zu tun.
Ja, was gibt es Neues? Eine ganze Menge
denke ich.. Seit ein paar Wochen machen wir 3 hier einen Sprachkurs
und haben dadurch quasi keine freie Minute mehr. Montags, Mittwochs,
Donnerstags und Freitags habe ich von halb 10 bis 11 Uhr Unterricht.
Gegen halb 12 bin ich dann wieder in der Aldea und mein Arbeitstag
beginnt um 12. Abends, nach der Arbeit, um 8 muss ich dann noch die
vieeelen Hausaufgaben machen für den nächsten Tag. Das ist wirklich
alles ziemlich anstrengend im Moment, aber ich merke richtig, wie
sich mein Spanisch verbessert & das ist echt ein tolles Gefühl!
:) Am Anfang war ich etwas skeptisch, da mein Lehrer kein Deutsch
kann. Aber er erklärt mir alles auf einem Englisch-Spanisch Gemisch
und so funktioniert das sehr gut. Voraussichtlich geht der Kurs noch
bis Ende nächster Woche.
Zusätzlich bieten Kathi, Thorben und
ich im Moment noch einen Tanzkurs an. Ende Oktober feiern alle Mädels
aus der Aldea, die in diesem Jahr 15 Jahre alt geworden sind, ganz
groß ihren Geburtstag. Für dieses besondere Fest haben sie sich den
Walzer als Eröffnungstanz gewünscht. Seit ein paar Wochen üben wir
nun also mit dieses Mädels und mehr oder weniger auch mit ihren
Tanzpartnern den langsamen Walzer. Leider stellte es sich als nicht
so leicht raus, wie gedacht, da die Mädels hier natürlich ganz
andere Tänze und Rhythmen gewohnt sind. Mittlerweile sind wir aber
sehr zuversichtlich, dass es klappen wird! :) Das größte Problem
sind eigentlich ihre Kleider und Schuhe. Die Kleider werden extra für
alle Mädels geschneidert und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie
sie aussehen. Es sind so richtige Ballkleider wie man sie von Sissi
kennt. Mit diesem Kleid und diesen Schuhen müssen sie dann also auch
noch tanzen, das wird echt eine Herausforderung. Aber alle Mädels
haben sich diese Art von Kleid gewünscht & da es ja ihr Ehrentag
ist, ist das natürlich auch völlig okay! :)
Seit letzter Woche geben wir 3 nun auch
noch Englischunterricht in allen Gruppen. Montags habe ich von 15 -
16 Uhr die 11-16 Jährigen, Dienstags von 16 – 17 Uhr die 6 – 9
Jährigen und Donnerstags noch von 15 – 16 Uhr die 10 – 14
Jährigen. In den ersten Stunden haben wir uns dann erstmal ein Bild
von dem Leistungsstand in unseren Gruppen gemacht. Wir fangen
wirklich bei 0 an mit ihnen. „My name is..“ konnten eigentlich
alle, aber bei dem Alter wird es dann schon schwieriger. Zahlen &
Farben kennen sie auch vereinzelt, aber mehr dann auch nicht. Sie
haben zwar Englisch in der Schule, aber nur eine Stunde in der Woche
und scheinbar auch nicht so intensiv. Der Unterricht macht eigentlich
echt Spaß! :) Und da wir ja wirklich die einfachsten Dinge mit ihnen
machen, brauchen wir auch nicht ganz so viel Vorbereitungszeit, wie
wenn wir ihnen direkt die ganze Grammatik vermitteln würden.
Erstaunlich fand ich, dass von meinen Gruppen die Kleinsten am
Meisten konnten, das hätte ich nicht gedacht. Ihnen allen fällt
aber auch die Aussprache wirklich sehr, sehr schwer. Ich bin
gespannt, ob wir innerhalb des Jahres große Fortschritte bemerken –
wir hoffen es sehr!
Leider merke ich schon, wie schlecht
mein Englisch geworden ist. Mir fallen alle Wörter nur noch auf
Spanisch ein. Als Kathi, Thorben und ich mal Europäer oder
Amerikaner hier auf der Straße getroffen haben, haben wir ständig
englische und spanische Wörter vermischt und auch wenn mein
Sprachlehrer mir etwas auf Englisch erklärt, merke ich, dass mir von
vielen Wörtern die Übersetzungen fehlen. Naja! Dafür können wir
nach dem Jahr dann hoffentlich alle ziemlich gut Spanisch sprechen,
das hat ja auch was :)
Mein Alltag sieht immer noch so aus wie
am Anfang, aber er ist schon viel mehr zur Routine geworden nach 2
Monaten! :) Und wo man jetzt die Kinder auch einzeln besser kennt,
macht die Arbeit noch mehr Spaß! Mit einigen Kindern muss man aber
wirklich auch sehr viel Geduld haben, da kommen Kathi und ich auch
öfter an unsere Grenzen. Wenn wir uns dann aber wieder daran
erinnern, was für Schicksale diese Kinder erleiden, dann wächst
unsere Geduld direkt wieder um ein großes Stück! :)
Letzte Woche Dienstag hatte eine große
Eisdiele hier namens „Globos“ die Kinderheime Cochabambas zum Eis
essen eingeladen. Mit unseren 180 Kindern sind wir dann morgens um 8
Uhr zum Globos gefahren, wo wir noch auf ca. 1000 andere Kinder
getroffen sind. Jeder hat dann eine Schale mit Eis und Torte in die
Hand gedrückt bekommen und wir haben erstmal in Ruhe gegessen. Die
Eisdiele ist ein einziges Kinderparadies mit unzähligen
Spielgeräten, sodass unsere Kinder dann natürlich auch ziemlich
schnell los zum Spielen wollten! Meine Tia hatte mir 4 Kinder aus
unserer Gruppe zugeteilt, auf die ich an dem Tag aufpassen sollte.
Ich hatte dann also diese 4 Kinder an der Hand, die ich nicht
verlieren durfte und bin mit ihnen durch das Gedrängel der 1000
anderen Kinder nach draußen auf den riesigen Spielplatz gegangen
(allein das war schon schwierig – wie nimmt man bitte 4 Kinder an
die Hand, wenn man selbst nur 2 Hände hat?). Dann stellte sich mir
nur die Frage, wie die Kinder spielen sollten, ohne dass ich sie
verliere. Zunächst bin ich hinter ihnen hergeklettert - auf den
engsten Klettergerüsten. Das wurde mir dann aber doch irgendwann
etwas zu blöd, sodass ich die Spielgeräte relativ schnell wieder
verlassen habe. Keine 2 Minuten später waren dann aber natürlich 2
der 4 Kinder weg. Den ganzen Morgen war ich also damit beschäftigt
immer wieder meine 4 Kinder ausfindig zu machen. Sie nicht spielen zu
lassen, wäre ja auch keine Option gewesen, zumal sie an diesem Tag
alle überglücklich waren. Als ich dann gesehen habe, dass alle
Kinder aus der Aldea da herum gesprungen sind, war ich schon etwas
beruhigter & am Ende hatte ich meine 4 Kinder auch alle gesund
und munter wieder zusammen! :)
Zwischendurch ist noch ein Clown
draußen aufgetreten und es wurden Bälle, Spielautos und Süßigkeiten
verteilt. Schminken lassen konnten sich die Kinder auch.
So gegen 13 Uhr habe ich mich dann mit
meiner Tia an der Burger-Schlange angestellt um die 20 Burger, Pommes
und Getränke für unsere Gruppe abzuholen – alles umsonst! Nachdem
wir alles aufgegessen hatten sind wir dann mit unserem Bus und den
tausend Geschenken wieder zurück zur Aldea gefahren. Das war
wirklich ein toller Tag für die Kinder! Für uns insgesamt natürlich
auch, nur leider hatten wir danach alle ziemliche Magenprobleme –
bzw. ich habe sie immer noch.. Naja, das gehört halt einfach dazu &
da hier in der Aldea jeden Tag eine Krankenschwester ist und einmal
in der Woche auch die Ärztin, sind wir medizinisch sehr gut
versorgt! :)
Ich hoffe, euch geht es allen gut! Wenn
mein Sprachkurs zu Ende ist, werde ich mich auf jeden Fall
regelmäßiger melden! :)
Eure Sophie
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