Hallo ihr Lieben! :)
Jetzt wollte ich euch doch endlich mal von unseren wöchentlichen Gefängnisbesuchen erzählen.
Immer monatsabwechselnd
bringen Kathi, Thorben und ich oder die Tias die Kinder ins
Gefängnis. In diesem Monat waren wir wieder dran. Insgesamt befinden
sich die Eltern der Kinder in 5 verschiedenen Gefängnissen in
Cochabamba und Umgebung. Außerdem sind noch einige Eltern in einem
Gefängnis in La Paz inhaftiert. Die Kinder besuchen ihre Eltern dort
ca. alle 2 Monate. Bei einem der 5 Gefängnisse handelt es sich um
ein Hochsicherheitsgefängnis, wobei die 'Hochsicherheit' natürlich
nicht mit einer europäischen Hochsicherheit zu vergleichen ist.
Zusätzlich gibt es dann noch ein getrenntes Männer-und
Frauengefängnis und die anderen beiden Gefängnisse sind gemischt.
Jeden Sonntag um 8 Uhr
morgens treffen wir uns mit den ca. 50 Kindern an unserem Bus und
zählen nach, ob alle da sind. Dann geht das Gedrängel im Bus los,
da er nur 20 Sitzplätze besitzt und Kathi, Thorben und ich dann
versuchen, die Kinder irgendwie zu stapeln. Mit dem überfüllten Bus
und sehr lauter, einheimischer Musik, geht’s dann los Richtung
Gefängnisse. Die Busfahrten machen uns echt immer sehr viel Spaß,
weil alle Kinder lauthals mitsingen und man sich dann während der
Fahrt durch Cochabamba direkt richtig heimisch fühlt! :)
Nach ca. einer Stunde Fahrt
erreichen wir dann das erste Gefängnis.Alle Gefängnisse bis auf das
Hochsicherheitsgefängnis liegen mitten zwischen Wohnhäusern. Einer
von uns dreien steigt dann mit den Kindern aus und geht ins
Gefängnis. Die meisten Gefängnisse haben einen einfachen Vorraum,
in dem so drei bis vier Polizisten sitzen. Sie schauen fern oder
beschäftigen sich mit ihren Handys. Die Liste mit den Namen der
Kinder müssen wir manchmal abgeben, manchmal interessiert die aber
auch keinen. Unsere Ausweise oder den Ausweis der Aldea will auch
keiner sehen. Die Kinder werden dann 'durchsucht' und durch einen
Lautsprecher werden die Eltern der Kinder aufgerufen. Wir warten dann
an der Tür, bis die Eltern ihre Kinder abgeholt haben. Der Eingang
zu dem richtigen Gefängnis befindet sich immer im Vorraum der
Polizisten – es ist eine einfache Holztür. Wir wundern uns ehrlich
gesagt auch, warum nicht öfter Menschen aus dem Gefängnis
ausbrechen, so wie wir das beurteilen können, scheint das nämlich
ziemlich leicht zu sein.. Manchmal kommen auch einfach Insassen ohne
Polizisten aus der Holztür in den Vorraum hinaus und laufen da
herum..
Leider sitzen viele Menschen
unschuldig im Gefängnis und ein Großteil wartet auf seinen Prozess.
Also sie befinden sich sozusagen in Untersuchungshaft, obwohl da
natürlich kein Unterschied gemacht wird, und einige warten seit 10
Jahren darauf, dass ihr Prozess beginnt. Dementsprechend sitzen
natürlich viele Menschen unschuldig in den Gefängnissen, was auch
wirklich eine schreckliche Vorstellung ist..
Die Gefängnisse sind
komplett anders aufgebaut, als wir das aus Deutschland kennen. Es
sind richtige 'Dörfer', in denen die Insassen leben. Also riesig
groß ist es natürlich nicht, aber meistens befinden sich unten
Restaurants, Läden, Kioske und eben alles, was man so braucht. Oben
sind dann die Flure, wo die Insassen schlafen. Allerdings sind die
Gefängnisse immer überfüllt. So wurde uns erzählt, dass in
manchen Gefängnissen, in denen Platz für 200 Menschen ist, 600 –
800 Menschen leben. Für diese Menschen gibt es dann 4 Toiletten und
2 Duschen. Wie genau sie schlafen, wissen wir nicht, das haben wir
noch nicht gesehen. Vermutlich einfach auf Matratzen (wenn überhaupt)
gequetscht in den Räumen und Unzählige müssen unter der Treppe
oder im Flur schlafen aufgrund des Platzmangels. Im Gefängnis selbst
befinden sich so gut wie nie oder selten Polizisten, weshalb dort
auch soviel Gewalt herrscht. Ganz alleine möchte ich da wirklich
nicht rein.. Unsere Vorgänger haben erzählt, dass wir eher auf
Hilfe von Insassen als von Polizisten hoffen könnten, wenn etwas
passieren sollte, weil eben nie Polizisten da seien. Meistens müssen
wir aber auch gar nicht richtig rein ins Gefängnis, sondern nur an
der Tür warten – Gott sei Dank! Für Kinder ist das Gefängnis
natürlich dementsprechend der denkbar schlechteste Ort zum Leben,
den man sich nur vorstellen kann. Es herrscht überhaupt keine
Sicherheit und dafür ganz viel Chaos & Durcheinander dort, dass
viele Opfer von Gewalt und Missbrauch werden.
Im Gefängnis wird nicht für
alle gekocht und keiner wird mit Lebensmitteln versorgt, weshalb es
auch wie ein Dorf aufgebaut ist und die Insassen sich selbst
versorgen. Um sich den Gefängnisplatz und Lebensmittel leisten zu
können, müssen die Insassen arbeiten, meistens werden in den
Gefängnissen Betten oder andere Holzmöbel oder Souvenirs von ihnen
hergestellt.
Im Hochsicherheitsgefängnis sieht das
alles nochmal ein bisschen anders aus. Es gibt vorne einen richtig
abgetrennten Bereich, in dem die Besucher durchsucht werden und man
muss dann noch einen kurzen Weg laufen, um in das richtige Gefängnis
zu gelangen. Dort trifft man auch immer wesentlich mehr Polizisten
an.
Oft verlassen einige Kinder während
der Besuchszeit die Gefängnisse kurz, um für ihre Eltern auf dem
Markt oder in anderen Läden etwas zu kaufen.
Meistens essen die Kinder mit ihren
Eltern dann im Gefängnis, unterhalten sich und ihre Eltern kaufen
ihnen ganz viele Süßigkeiten und Spielzeug im Gefängnis, sodass
sie alle mit einer riesigen Tüte zurück kommen.
Meistens sind Kathi, Thorben und ich so
gegen 10 oder halb 11 wieder zurück und gegen 4 Uhr fahren wir
wieder los, um die Kinder abzuholen. Sie verbringen also wirklich den
ganzen Tag bei ihren Eltern im Gefängnis. Normalerweise verläuft
das Abholen genauso problemlos wie das Hinbringen. Wir sagen, was wir
wollen und dann werden die Kinder durch die Lautsprecher ausgerufen.
Schon öfter ist es vorgekommen, dass Eltern, deren Kinder sie an
einem Wochenende mal nicht besuchen konnten, uns Süßigkeiten-Tüten
für ihre Kinder mitgegeben haben – da merkt man, dass sich die
Eltern auf jeden Fall noch für ihre Kinder interessieren, das ist
sehr schön.
Auf der Rückfahrt im Bus weinen häufig
viele Kinder, das gibt einem irgendwie ein bedrückendes Gefühl, vor
allem wenn man versucht, sich in die Situation der Kinder hinein zu
versetzen und realisiert, wie schrecklich das alles für sie sein
muss. Dann versuchen wir natürlich immer sie ein wenig zu trösten,
aber viel zu sagen gibt es da ja leider auch nicht, wenn die Eltern
im Gefängnis sind und die Kinder sie nur alle 2 Wochen sehen können
– ich glaube da würde jeder von uns weinen..
Leider kotzen auch manchmal Kinder im
Bus, weil sie im Gefängnis so vollgestopft werden mit Essen und dann
im Bus ihre Süßigkeiten noch essen. Seit das das erste Mal
vorgekommen ist, nehmen wir 3 jetzt immer viel Küchenpapier mit.
Gerade in einem überfüllten Bus ist es dann wirklich nicht so
angenehm, 3 kotzende Kinder um sich zu haben :D Aber man gewöhnt
sich an alles..
Ich hoffe, ihr könnt euch jetzt die
Gefängnisse und auch die Situationen der Kinder ein bisschen besser
vorstellen! Falls euch noch irgendwas besonders interessiert, könnt
ihr euch aber natürlich auch immer gerne melden und fragen! :)
Ich hoffe euch geht’s gut im kalten
Deutschland, wir genießen hier sommerliche Temperaturen von 25 –
30 Grad! :) Bis bald!
Eure Sophie
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen