Donnerstag, 29. Oktober 2015

Die Gefängnisbesuche

Hallo ihr Lieben! :)

Jetzt wollte ich euch doch endlich mal von unseren wöchentlichen Gefängnisbesuchen erzählen.
Immer monatsabwechselnd bringen Kathi, Thorben und ich oder die Tias die Kinder ins Gefängnis. In diesem Monat waren wir wieder dran. Insgesamt befinden sich die Eltern der Kinder in 5 verschiedenen Gefängnissen in Cochabamba und Umgebung. Außerdem sind noch einige Eltern in einem Gefängnis in La Paz inhaftiert. Die Kinder besuchen ihre Eltern dort ca. alle 2 Monate. Bei einem der 5 Gefängnisse handelt es sich um ein Hochsicherheitsgefängnis, wobei die 'Hochsicherheit' natürlich nicht mit einer europäischen Hochsicherheit zu vergleichen ist. Zusätzlich gibt es dann noch ein getrenntes Männer-und Frauengefängnis und die anderen beiden Gefängnisse sind gemischt.
Jeden Sonntag um 8 Uhr morgens treffen wir uns mit den ca. 50 Kindern an unserem Bus und zählen nach, ob alle da sind. Dann geht das Gedrängel im Bus los, da er nur 20 Sitzplätze besitzt und Kathi, Thorben und ich dann versuchen, die Kinder irgendwie zu stapeln. Mit dem überfüllten Bus und sehr lauter, einheimischer Musik, geht’s dann los Richtung Gefängnisse. Die Busfahrten machen uns echt immer sehr viel Spaß, weil alle Kinder lauthals mitsingen und man sich dann während der Fahrt durch Cochabamba direkt richtig heimisch fühlt! :)
Nach ca. einer Stunde Fahrt erreichen wir dann das erste Gefängnis.Alle Gefängnisse bis auf das Hochsicherheitsgefängnis liegen mitten zwischen Wohnhäusern. Einer von uns dreien steigt dann mit den Kindern aus und geht ins Gefängnis. Die meisten Gefängnisse haben einen einfachen Vorraum, in dem so drei bis vier Polizisten sitzen. Sie schauen fern oder beschäftigen sich mit ihren Handys. Die Liste mit den Namen der Kinder müssen wir manchmal abgeben, manchmal interessiert die aber auch keinen. Unsere Ausweise oder den Ausweis der Aldea will auch keiner sehen. Die Kinder werden dann 'durchsucht' und durch einen Lautsprecher werden die Eltern der Kinder aufgerufen. Wir warten dann an der Tür, bis die Eltern ihre Kinder abgeholt haben. Der Eingang zu dem richtigen Gefängnis befindet sich immer im Vorraum der Polizisten – es ist eine einfache Holztür. Wir wundern uns ehrlich gesagt auch, warum nicht öfter Menschen aus dem Gefängnis ausbrechen, so wie wir das beurteilen können, scheint das nämlich ziemlich leicht zu sein.. Manchmal kommen auch einfach Insassen ohne Polizisten aus der Holztür in den Vorraum hinaus und laufen da herum..
Leider sitzen viele Menschen unschuldig im Gefängnis und ein Großteil wartet auf seinen Prozess. Also sie befinden sich sozusagen in Untersuchungshaft, obwohl da natürlich kein Unterschied gemacht wird, und einige warten seit 10 Jahren darauf, dass ihr Prozess beginnt. Dementsprechend sitzen natürlich viele Menschen unschuldig in den Gefängnissen, was auch wirklich eine schreckliche Vorstellung ist..
Die Gefängnisse sind komplett anders aufgebaut, als wir das aus Deutschland kennen. Es sind richtige 'Dörfer', in denen die Insassen leben. Also riesig groß ist es natürlich nicht, aber meistens befinden sich unten Restaurants, Läden, Kioske und eben alles, was man so braucht. Oben sind dann die Flure, wo die Insassen schlafen. Allerdings sind die Gefängnisse immer überfüllt. So wurde uns erzählt, dass in manchen Gefängnissen, in denen Platz für 200 Menschen ist, 600 – 800 Menschen leben. Für diese Menschen gibt es dann 4 Toiletten und 2 Duschen. Wie genau sie schlafen, wissen wir nicht, das haben wir noch nicht gesehen. Vermutlich einfach auf Matratzen (wenn überhaupt) gequetscht in den Räumen und Unzählige müssen unter der Treppe oder im Flur schlafen aufgrund des Platzmangels. Im Gefängnis selbst befinden sich so gut wie nie oder selten Polizisten, weshalb dort auch soviel Gewalt herrscht. Ganz alleine möchte ich da wirklich nicht rein.. Unsere Vorgänger haben erzählt, dass wir eher auf Hilfe von Insassen als von Polizisten hoffen könnten, wenn etwas passieren sollte, weil eben nie Polizisten da seien. Meistens müssen wir aber auch gar nicht richtig rein ins Gefängnis, sondern nur an der Tür warten – Gott sei Dank! Für Kinder ist das Gefängnis natürlich dementsprechend der denkbar schlechteste Ort zum Leben, den man sich nur vorstellen kann. Es herrscht überhaupt keine Sicherheit und dafür ganz viel Chaos & Durcheinander dort, dass viele Opfer von Gewalt und Missbrauch werden.
Im Gefängnis wird nicht für alle gekocht und keiner wird mit Lebensmitteln versorgt, weshalb es auch wie ein Dorf aufgebaut ist und die Insassen sich selbst versorgen. Um sich den Gefängnisplatz und Lebensmittel leisten zu können, müssen die Insassen arbeiten, meistens werden in den Gefängnissen Betten oder andere Holzmöbel oder Souvenirs von ihnen hergestellt.
Im Hochsicherheitsgefängnis sieht das alles nochmal ein bisschen anders aus. Es gibt vorne einen richtig abgetrennten Bereich, in dem die Besucher durchsucht werden und man muss dann noch einen kurzen Weg laufen, um in das richtige Gefängnis zu gelangen. Dort trifft man auch immer wesentlich mehr Polizisten an.
Oft verlassen einige Kinder während der Besuchszeit die Gefängnisse kurz, um für ihre Eltern auf dem Markt oder in anderen Läden etwas zu kaufen.
Meistens essen die Kinder mit ihren Eltern dann im Gefängnis, unterhalten sich und ihre Eltern kaufen ihnen ganz viele Süßigkeiten und Spielzeug im Gefängnis, sodass sie alle mit einer riesigen Tüte zurück kommen.
Meistens sind Kathi, Thorben und ich so gegen 10 oder halb 11 wieder zurück und gegen 4 Uhr fahren wir wieder los, um die Kinder abzuholen. Sie verbringen also wirklich den ganzen Tag bei ihren Eltern im Gefängnis. Normalerweise verläuft das Abholen genauso problemlos wie das Hinbringen. Wir sagen, was wir wollen und dann werden die Kinder durch die Lautsprecher ausgerufen. Schon öfter ist es vorgekommen, dass Eltern, deren Kinder sie an einem Wochenende mal nicht besuchen konnten, uns Süßigkeiten-Tüten für ihre Kinder mitgegeben haben – da merkt man, dass sich die Eltern auf jeden Fall noch für ihre Kinder interessieren, das ist sehr schön.
Auf der Rückfahrt im Bus weinen häufig viele Kinder, das gibt einem irgendwie ein bedrückendes Gefühl, vor allem wenn man versucht, sich in die Situation der Kinder hinein zu versetzen und realisiert, wie schrecklich das alles für sie sein muss. Dann versuchen wir natürlich immer sie ein wenig zu trösten, aber viel zu sagen gibt es da ja leider auch nicht, wenn die Eltern im Gefängnis sind und die Kinder sie nur alle 2 Wochen sehen können – ich glaube da würde jeder von uns weinen..
Leider kotzen auch manchmal Kinder im Bus, weil sie im Gefängnis so vollgestopft werden mit Essen und dann im Bus ihre Süßigkeiten noch essen. Seit das das erste Mal vorgekommen ist, nehmen wir 3 jetzt immer viel Küchenpapier mit. Gerade in einem überfüllten Bus ist es dann wirklich nicht so angenehm, 3 kotzende Kinder um sich zu haben :D Aber man gewöhnt sich an alles..
Ich hoffe, ihr könnt euch jetzt die Gefängnisse und auch die Situationen der Kinder ein bisschen besser vorstellen! Falls euch noch irgendwas besonders interessiert, könnt ihr euch aber natürlich auch immer gerne melden und fragen! :)

Ich hoffe euch geht’s gut im kalten Deutschland, wir genießen hier sommerliche Temperaturen von 25 – 30 Grad! :) Bis bald!

Eure Sophie

Dienstag, 6. Oktober 2015

Schon 2 Monate Bolivien! :)

Ihr Lieben, es tut mir wirklich Leid, dass ich mich solange nicht gemeldet habe, aber in den letzten Wochen hatte ich so einiges hier zu tun.

Ja, was gibt es Neues? Eine ganze Menge denke ich.. Seit ein paar Wochen machen wir 3 hier einen Sprachkurs und haben dadurch quasi keine freie Minute mehr. Montags, Mittwochs, Donnerstags und Freitags habe ich von halb 10 bis 11 Uhr Unterricht. Gegen halb 12 bin ich dann wieder in der Aldea und mein Arbeitstag beginnt um 12. Abends, nach der Arbeit, um 8 muss ich dann noch die vieeelen Hausaufgaben machen für den nächsten Tag. Das ist wirklich alles ziemlich anstrengend im Moment, aber ich merke richtig, wie sich mein Spanisch verbessert & das ist echt ein tolles Gefühl! :) Am Anfang war ich etwas skeptisch, da mein Lehrer kein Deutsch kann. Aber er erklärt mir alles auf einem Englisch-Spanisch Gemisch und so funktioniert das sehr gut. Voraussichtlich geht der Kurs noch bis Ende nächster Woche.

Zusätzlich bieten Kathi, Thorben und ich im Moment noch einen Tanzkurs an. Ende Oktober feiern alle Mädels aus der Aldea, die in diesem Jahr 15 Jahre alt geworden sind, ganz groß ihren Geburtstag. Für dieses besondere Fest haben sie sich den Walzer als Eröffnungstanz gewünscht. Seit ein paar Wochen üben wir nun also mit dieses Mädels und mehr oder weniger auch mit ihren Tanzpartnern den langsamen Walzer. Leider stellte es sich als nicht so leicht raus, wie gedacht, da die Mädels hier natürlich ganz andere Tänze und Rhythmen gewohnt sind. Mittlerweile sind wir aber sehr zuversichtlich, dass es klappen wird! :) Das größte Problem sind eigentlich ihre Kleider und Schuhe. Die Kleider werden extra für alle Mädels geschneidert und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sie aussehen. Es sind so richtige Ballkleider wie man sie von Sissi kennt. Mit diesem Kleid und diesen Schuhen müssen sie dann also auch noch tanzen, das wird echt eine Herausforderung. Aber alle Mädels haben sich diese Art von Kleid gewünscht & da es ja ihr Ehrentag ist, ist das natürlich auch völlig okay! :)

Seit letzter Woche geben wir 3 nun auch noch Englischunterricht in allen Gruppen. Montags habe ich von 15 - 16 Uhr die 11-16 Jährigen, Dienstags von 16 – 17 Uhr die 6 – 9 Jährigen und Donnerstags noch von 15 – 16 Uhr die 10 – 14 Jährigen. In den ersten Stunden haben wir uns dann erstmal ein Bild von dem Leistungsstand in unseren Gruppen gemacht. Wir fangen wirklich bei 0 an mit ihnen. „My name is..“ konnten eigentlich alle, aber bei dem Alter wird es dann schon schwieriger. Zahlen & Farben kennen sie auch vereinzelt, aber mehr dann auch nicht. Sie haben zwar Englisch in der Schule, aber nur eine Stunde in der Woche und scheinbar auch nicht so intensiv. Der Unterricht macht eigentlich echt Spaß! :) Und da wir ja wirklich die einfachsten Dinge mit ihnen machen, brauchen wir auch nicht ganz so viel Vorbereitungszeit, wie wenn wir ihnen direkt die ganze Grammatik vermitteln würden. Erstaunlich fand ich, dass von meinen Gruppen die Kleinsten am Meisten konnten, das hätte ich nicht gedacht. Ihnen allen fällt aber auch die Aussprache wirklich sehr, sehr schwer. Ich bin gespannt, ob wir innerhalb des Jahres große Fortschritte bemerken – wir hoffen es sehr!
Leider merke ich schon, wie schlecht mein Englisch geworden ist. Mir fallen alle Wörter nur noch auf Spanisch ein. Als Kathi, Thorben und ich mal Europäer oder Amerikaner hier auf der Straße getroffen haben, haben wir ständig englische und spanische Wörter vermischt und auch wenn mein Sprachlehrer mir etwas auf Englisch erklärt, merke ich, dass mir von vielen Wörtern die Übersetzungen fehlen. Naja! Dafür können wir nach dem Jahr dann hoffentlich alle ziemlich gut Spanisch sprechen, das hat ja auch was :)

Mein Alltag sieht immer noch so aus wie am Anfang, aber er ist schon viel mehr zur Routine geworden nach 2 Monaten! :) Und wo man jetzt die Kinder auch einzeln besser kennt, macht die Arbeit noch mehr Spaß! Mit einigen Kindern muss man aber wirklich auch sehr viel Geduld haben, da kommen Kathi und ich auch öfter an unsere Grenzen. Wenn wir uns dann aber wieder daran erinnern, was für Schicksale diese Kinder erleiden, dann wächst unsere Geduld direkt wieder um ein großes Stück! :)

Letzte Woche Dienstag hatte eine große Eisdiele hier namens „Globos“ die Kinderheime Cochabambas zum Eis essen eingeladen. Mit unseren 180 Kindern sind wir dann morgens um 8 Uhr zum Globos gefahren, wo wir noch auf ca. 1000 andere Kinder getroffen sind. Jeder hat dann eine Schale mit Eis und Torte in die Hand gedrückt bekommen und wir haben erstmal in Ruhe gegessen. Die Eisdiele ist ein einziges Kinderparadies mit unzähligen Spielgeräten, sodass unsere Kinder dann natürlich auch ziemlich schnell los zum Spielen wollten! Meine Tia hatte mir 4 Kinder aus unserer Gruppe zugeteilt, auf die ich an dem Tag aufpassen sollte. Ich hatte dann also diese 4 Kinder an der Hand, die ich nicht verlieren durfte und bin mit ihnen durch das Gedrängel der 1000 anderen Kinder nach draußen auf den riesigen Spielplatz gegangen (allein das war schon schwierig – wie nimmt man bitte 4 Kinder an die Hand, wenn man selbst nur 2 Hände hat?). Dann stellte sich mir nur die Frage, wie die Kinder spielen sollten, ohne dass ich sie verliere. Zunächst bin ich hinter ihnen hergeklettert - auf den engsten Klettergerüsten. Das wurde mir dann aber doch irgendwann etwas zu blöd, sodass ich die Spielgeräte relativ schnell wieder verlassen habe. Keine 2 Minuten später waren dann aber natürlich 2 der 4 Kinder weg. Den ganzen Morgen war ich also damit beschäftigt immer wieder meine 4 Kinder ausfindig zu machen. Sie nicht spielen zu lassen, wäre ja auch keine Option gewesen, zumal sie an diesem Tag alle überglücklich waren. Als ich dann gesehen habe, dass alle Kinder aus der Aldea da herum gesprungen sind, war ich schon etwas beruhigter & am Ende hatte ich meine 4 Kinder auch alle gesund und munter wieder zusammen! :)
Zwischendurch ist noch ein Clown draußen aufgetreten und es wurden Bälle, Spielautos und Süßigkeiten verteilt. Schminken lassen konnten sich die Kinder auch.
So gegen 13 Uhr habe ich mich dann mit meiner Tia an der Burger-Schlange angestellt um die 20 Burger, Pommes und Getränke für unsere Gruppe abzuholen – alles umsonst! Nachdem wir alles aufgegessen hatten sind wir dann mit unserem Bus und den tausend Geschenken wieder zurück zur Aldea gefahren. Das war wirklich ein toller Tag für die Kinder! Für uns insgesamt natürlich auch, nur leider hatten wir danach alle ziemliche Magenprobleme – bzw. ich habe sie immer noch.. Naja, das gehört halt einfach dazu & da hier in der Aldea jeden Tag eine Krankenschwester ist und einmal in der Woche auch die Ärztin, sind wir medizinisch sehr gut versorgt! :)


Ich hoffe, euch geht es allen gut! Wenn mein Sprachkurs zu Ende ist, werde ich mich auf jeden Fall regelmäßiger melden! :)

Eure Sophie