Sonntag, 30. August 2015

Erste Eindrücke

Hallo ihr Lieben!

Nun bin ich schon seit 4 Wochen in Bolivien - wie die Zeit doch fliegt - und finde endlich mal Zeit, mich zu melden!
Wir sind gut in Cochabamba angekommen und fühlen uns hier sehr wohl! In den ersten Tagen hatten wir viel Zeit, um uns erstmal das Heim und die Stadt hier anzugucken. Außerdem waren unsere Vorgänger, Anna und Maike, noch ein paar Tage hier und konnten uns alles zeigen.
Das Grundstück der Aldea ist richtig groß! Es gibt 8 Häuser, in denen die Wohngruppen leben. Insgesamt gibt es 14 Gruppen, also in jedem Haus leben ca. 2 Gruppen. In jeder Gruppe leben mit den Kindern die sogenannten "Tias", die die Kinder betreuen. Außerdem befinden sich auf dem Gelände noch der Kindergarten und die Schule.

Kathi, Thorben und ich wohnen in einer Wohngruppe mit 4 Mädels, die um die 18 sind. In dem Haus befinden sich der Wohnbereich, eine Küche, 3 Badezimmer und die Zimmer, in denen die Mädels und wir wohnen. Wir haben quasi 2 Durchgangszimmer. Kathi und ich teilen uns ein Zimmer und müssen erst durch Thorbens Zimmer durch, um in unsers zu kommen und nochmal durch eine Tür, um in unser Bad zu kommen. Am Anfang bestand unser Zimmer aus 2 Betten, einem Regal (in das die Klamotten nur längs reinpassen), einem kleinen Schrank und einer Deckenlampe, die man auch im Gefängnis ausfindig machen könnte. Unsere Sachen haben natürlich vorne und hinten nicht ins Zimmer gepasst, weshalb unsere Koffer immer noch offen im Zimmer stehen. Mittlerweile haben wir noch einen Schreibtisch dazu bekommen und Thorben und der Hausmeister haben uns Leinen über den Betten angebracht, an denen jetzt Fotos hängen, sodass wir es uns hier schon ein bisschen gemütlicher machen konnten! Leider ist es hier im Haus immer richtig kalt, weil keine Sonne darauf scheint. Nicht nur nachts, sondern auch tagsüber, sitzen wir hier oft mit Pulli und Decke und sind auch alle schon erkältet. In der Stadt ist es tagsüber aber immer richtig angenehm warm - manchmal sogar heiß. Insgesamt fühlen wir 3 uns in dem Haus aber wohl, da hätte es uns schlimmer treffen können. Obwohl, als Kathi und ich noch keine Klobrille auf der Toilette hatten, unsere Dusche nur kaltes Wasser hatte und ein fremder Rasierer in unserer Dusche lag, da habe ich mir für einen kleinen Moment schon ein deutsches Bad gewünscht. Jetzt funktioniert aber Gott sei Dank alles! :)
Das Heim leitet Petra, eine Deutsche, mit der wir uns sehr gut verstehen und wichtige Dinge gut und schnell auf deutsch mit ihr klären können, das ist sehr praktisch! Sie wohnt mit ihren 3 Töchtern auch auf dem Aldea-Gelände.


Meine Arbeitswochen im letzten Monat sahen folgendermaßen aus:
Von Montags bis Donnerstags arbeiten Kathi und ich jeweils in einer festen Gruppe, die wir wöchentlich tauschen. In den beiden Gruppen leben jeweils ca. fünfzehn 2-6 jährige Kinder, die Tia und 2 größere Mädels, die der Tia im Alltag helfen und ein Geschwisterkind in der Gruppe haben. Um 12 Uhr beginnt unser Arbeitstag, indem wir entweder die Kinder aus dem Kindergarten abholen oder das Essen aus der Küche. Wo wir gerade beim Essen sind - daran muss ich mich definitiv noch gewöhnen. Als Vorspeise gibt es immer eine Suppe, in der unten drin die Knochen und das Fleisch von irgendwelchen Tieren (die Tias wissen oft selber nicht was es ist, vielleicht auch besser so..) schwimmen. Als Hauptspeise gibt es meistens Reis, Fleisch und Salat oder auch mal Nudeln - immer kalt. Kuhmagen und Hühnerfüße gibt es manchmal auch, davor konnten wir uns aber Gott sei Dank drücken! Die Kinder müssen alles aufessen hier & sie bekommen wirklich randvolle Teller! Dafür trinken sie leider viel zu wenig.
Wenn die Kinder mit dem Essen fertig sind, müssen wir ihnen die Zähne putzen. Die meisten können das schon alleine und wollen immer, dass man auf Spanisch, Englisch oder sogar auch mal auf Deutsch solange zählt, wie sie die Zähne putzen sollen - das ist total süß! Leider haben die Kinder aber auch sehr, sehr schlechte Zähne hier, da haben wir uns erstmal erschrocken, als wir in ihre Münder geschaut haben.
Nach dem Zähneputzen machen die Kleinsten einen Mittagsschlaf und die anderen erledigen ihre Hausaufgaben, spielen oder schauen fern. Mit den Hausaufgaben das ist hier auch so eine Sache. An manchen Tagen sitzen wir 2-3 Stunden mit den Kindern daran, weil sie soviel aufhaben und total überfordert sind. Sie müssen ganze Sätze schreiben können und sich Geschichten ausdenken - und das mit 2-6! Manchmal haben Kathi und ich mittags noch eine kurze Pause, aber das ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Nach den Hausaufgaben gehen wir dann mit den Kindern auf den Spielplatz, darauf freuen sie sich immer sehr! Kathi und ich haben nur jedes Mal wieder Angst, dass etwas passiert, weil einige Spielgeräte schon ziemlich kaputt sind. Jeden bis jeden zweiten Abend werden die Kinder geduscht - und die Köpfe nach Läusen untersucht! Leider finden wir jedes Mal Läuse bei den Kindern - sie werden hier aber auch nur rausgekämmt und nicht wirklich behandelt. Ein Wunder, dass Kathi und ich noch keine Läuse haben - glauben wir zumindest..
Nach dem Abendessen putzen wir den Kindern wieder die Zähne und oft schauen sie dann noch fern. Gegen 8 bringen wir sie dann in's Bett. Die Mädchen und Jungs teilen sich jeweils ein Zimmer, also es schlafen um die 7 Kinder in einem Zimmer.
In der einen Gruppe müssen die Kinder vor dem Schlafengehen noch um's Haus rennen, damit sie müde werden und uns fangen. Das ist vielleicht lustig, wenn einem dann 15 kleine Kinder hinterherrennen! - und verdammt anstrengend bei der dünnen Luft hier oben!
Gegen 8, manchmal auch halb 8 oder halb 9, endet unser Arbeitstag und wir fallen totmüde in's Bett! Mir macht die Arbeit mit den Kindern riesigen Spaß, aber gerade jetzt am Anfang, wo ich noch nicht viel Spanisch verstehe und immer genau überlegen muss, was ich sage, ist es auch total anstrengend!

Thorben arbeitet nicht wie Kathi und ich in den Gruppen. Er hilft morgens dem Hausmeister und nachmittags betreut er die Kinder in der Bibliothek und gibt ihnen Nachhilfe. Dadurch haben wir leider total verschiedene Arbeitszeiten und können unter der Woche nichts zusammen unternehmen.
In den letzten 4 Wochen hatten wir 3 Freitags und Samstags immer frei, da wir die Kinder Sonntags in die Gefängnisse zu ihren Eltern bringen mussten. Von den Besuchen berichte ich beim nächsten Mal dann mehr! Im nächsten Monat übernehmen die Tias die Gefängnisfahrten, sodass wir normal Samstags und Sonntags frei haben.


Am Wochenende fahren wir meistens in die Stadt oder treffen uns mit Leonie, Hanna und My, die auch hier in Cochabamba von SMMP ihren Freiwilligendienst absolvieren - allerdings in anderen Projekten.
In die Stadt kommt man am schnellsten mit den sogenannten Trufis, das sind Autos oder Bullis, die feste Strecken in der Stadt abfahren, sie kosten umgerechnet ca. 15-20 Cent. Oftmals muss man sich sehr hinein quetschen mit 8-15 Leuten + Fahrer, das kann sehr lustig sein. Da man sich hier ja nicht anschnallt und in überfüllten Autos sitzt, muss man sich bei dem bolivianischen Fahrstil schon das ein oder andere Mal gut festhalten.
Generell ist hier fast alles viel günstiger als in Deutschland. Wasser, Joghurt, Milch etc. wird hier gerne in Tüten verkauft - gibt es aber auch in Plastikflaschen! Auf den Straßen gibt es an jeder zweiten Ecke kleine 'Tiendas', in denen man die nötigsten Dinge von Getränken über Eis, Süßigkeiten und Brot bis hin zu Klopapier bekommt. Sehr schön ist, dass hier noch viele Cholitas - Frauen, die meist indigener Herkunft sind und noch ihre traditionellen Kleider tragen -  auf der Straße herumlaufen und z.B. frischgepressten Orangensaft, Kaugummis oder Popcorn verkaufen. Leider sitzen aber oft auch die Kinder mit ihren Müttern am Straßenrand und helfen beim Verkaufen.


So, ich hoffe, ich konnte euch mit meinem ersten Post schon mal ein wenig an meinem Leben hier in Cochabamba teilhaben lassen! Nähere Eindrücke folgen in den nächsten Tagen/Wochen.
Insgesamt bin ich total froh hier zu sein, auch wenn ich meine Familie und Freunde natürlich schon sehr vermisse, aber da ich Thorben und Kathi an meiner Seite habe, macht es das für mich sehr viel leichter! :) Ich bin gespannt auf die nächsten 11 Monate und hoffe, dass sie genauso ereignisreich werden, wie die ersten 4 Wochen in meiner neuen Heimat.



Bis bald,
eure Sophie



Hallihallo :)

Hallo! Mein Name ist Sophie, ich bin 18 Jahre alt und seit dem 03. August befinde ich mich zusammen mit meinen 2 Mitfreiwilligen Kathi und Thorben im schönen Cochabamba in Bolivien. In der Aldea de Niños Cristo Rey werde ich für ein Jahr meinen Freiwilligendienst absolvieren, an den ich über die Organisation der Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel gekommen bin. (https://missionare-auf-zeit.smmp.de/)
Bei der Aldea handelt es sich um ein Kinderheim, in dem Kinder leben, deren Eltern im Gefängnis sind. Unsere Aufgabe wird es sein, bei der Betreuung der Kinder im Alltag mitzuhelfen. Momentan leben hier 188 Kinder im Alter von 2 - 18 Jahren.
Falls ihr Lust habt, euch auch die Blogs von den anderen MaZ von SMMP anzuschauen, habt ihr dazu hier die Möglichkeit:

Kathi in Bolivien: https://kathiworldwide.wordpress.com/
My in Bolivien: http://myontour.blogspot.com/

Johanna in Brasilien: https://johannabrasilien.wordpress.com/

Paula in Mosambik:  http://paulainmosambik.blogspot.com/